Orchideen Lebensräume


Mitte Mai 1992 erhielt der Verfasser von den 2 AHO-Mitgliedern W. Hahn und H.Marx die freudige Mitteilung, dass sie auf einer Ihrer zahlreichen Exkursionen im unteren Mittelrheintal bei Bad Breisig, ein Orchideenbiotop entdeckt hatten, welches bis dahin in AHO-Kreisen nicht bekannt gewesen war.

Es handelte sich um eine südöstlich geneigte Glatthaferwiese auf Lößablagerungen, die als Viehweide genutzt wurde.

Im unteren Hangbereich war die Wiese erkennbar gedüngt, das obere Areal am Waldrand entlang jedoch recht mager und mit Weissdorngebüsch bestanden.

Dort, sowie in den angrenzenden Waldparzellen, konzentrierte sich ein artenreiches Orchideenvorkommen.

Biotop nach vorjähriger Pflegemaßnahme
Anacamptis pyramidalis im Biotop Glatthaferwiese
Gruppe mit Anacamptis pyramidalis

In den folgenden Wochen wurde das Gelände mehrmals abgesucht, dabei konnten nachstehende Orchideenarten kartiert werden:

Anacamptis pyramidalis (L.) L.C.M. RICHARD / Pyramiden-Hundswurz, vitale und reichhaltige Population in der Glatthaferwiese.
Cephalanthera damasonium (MILLER) DRUCE / Weißes Waldvögelein, zerstreut im Niederwald.
Epipactis helleborine (L.) CRANTZ / Breitblättrige Stendelwurz, häufig im Mischwald.
Gymnadenia conopsea (L.) R. BROWN / Mücken-Händelwurz, wenige Pflanzen in der Wiese.
Listera ovata (L.) R. BROWN / Großes Zweiblatt, häufig im Gelände.
Neottia nidus avis (L.) L. C. M. RICHARD / Vogel-Nestwurz, wenige Pflanzen im Niederwald.
Orchis mascula L. / Manns-Knabenkraut, zerstreut im Mischwald.
Orchis militaris L. / Helm-Knabenkraut, zerstreut in der Glatthaferwiese.
Orchis purpurea HUDSON / Purpur-Knabenkraut, zerstreut im Mischwald.
Orchis x hybrida BONNINGH. / Hybride zwischen Helm- und Purpurknabenkraut, einzelne Pflanzen.
Platanthera bifolia (L.) L.C.M. RICHARD / Weiße Waldhyazinthe, zerstreut im Gelände.
Platanthera chlorantha (CUSTER) REICHENBACH / Grünliche Waldhyazinthe, zerstreut im Gelände.
Platanthera x hybrida BRUEGG. / Hybride zwischen Weißer- und Grünlicher Wald-hyazinthe. Diese im Mittelrheintal sehr seltene Hybride wurde 1995 einwandfrei nachgewiesen .

Orchis x hybrida, Habitus
Orchis x hybrida, Bl
Anacamptis pyramidalis, Blütenstand

Besonders beachtenswert ist hier das Vorkommen von Anacamptis pyramidalis. Nach vielen Jahrzehnten konnte diese submediterrane Art im unteren Mittelrheintal wieder aktuell bestätigt werden.Sofort durchgeführte Recherchen ergaben, dass ein Landwirt die Wiese mit wenigen Rindern sporadisch im Frühjahr beweiden ließ. Der mit Weißdorn und alten Obstbäumen bestandene Teil wurde von den Tieren hierbei wohl meist gemieden. Sie hielten sich lieber im „fetten“ Bereich auf, wo es mehr Futter gab.

Die Bäuerin teilte mit, dass sie die roten Blütenkerzen der Orchideen bereits in ihrer Kindheit beobachtet hatte. Dieses deutet darauf hin, dass es sich hier um einen bereits seit langer Zeit existierenden Fundort handelt.

In der Literatur gibt es Angaben zu Anacamptis pyramidalis für eine nur wenige Km Luftlinie entfernte Örtlichkeit.

So nennt der Botaniker PH. WIRTGEN (1841): Schwalbenberg bei Sinzig; DR.F.HILDEBRAND (1866), M. MELSHEIMER (1884) und DR.M.Bach (1899) erwähnen diese Fundstelle ebenfalls. Danach verliert sich aber dieser Nachweis. Aus den letzten 25 Jahren liegen dem AHO keine Fundmeldungen vom Schwalbenberg vor.

Das Biotop bei Bad Breisig liegt etwas versteckt. Die früheren Botaniker haben es anscheinend nicht gekannt, sonst hätten sie es sicher erwähnt. Vielleicht hat es aber auch 1850 noch nicht existiert.

Um die Rinder von dem mageren Teil der Wiese und den Orchideen fernzuhalten, wurde noch 1992 von dem damaligen Vereinsvorsitzenden, Herr Neumann, unter Mithilfe von Herrn Seuser und dem Verfasser ein Weidezaun eingezogen. Der Landwirt zeigte sich sehr verständnisvoll und willigte auch einer Biotoppflege-maßnahme zu, die 1995 durchgeführt wurde.

In den letzten Jahren hat diese Aufgabe der Biotopbetreuer der Kreisverwaltung Ahrweiler, Herr Weidner, übernommen.

Hierbei wurde vor allem das Weißdorngebüsch ausgelichtet.

Von dem AHO-Mitglied Hans Hoffmann wurde zwischenzeitlich ein Antrag auf Unter-schutzstellung des Gebietes gestellt, der von dem AHO-Vorstand nachhaltig unterstützt wird.

Anbringen eines Weidezauns 1992 von Herr Neumann und dem Verfasser
Gelände nach einer Pflegemaßnahme 1995
Herr Seuser beim Einschlagen der Weidephähle

Literatur:

BACH.M. (1899): Flora der Rheinprovinz.-3. von Caspari neubearb. Auflage, Paderborn

HILDEBRAND, F. (1866): Flora von Bonn

MELSHEIMER, M. (1884): Mittelrheinische Flora, das Rheintal und die angrenzenden Gebirge von

Coblenz bis Bonn umfassend, Neuwied und Leipzig

WIRTGEN, PH. (1841): Flora des Regierungsbezirks Coblenz